Ein Hauch von Landtag in der Schule im Ostergrund

  • geschrieben von Annika Kurz

Politik zum Anfassen, Diskutieren und Nachdenken wurde am vorletzten Freitag vor den Landtagswahlen in der Schule im Ostergrund angeboten.

Im Mehrzweckraum der Schule wehte ein Hauch von Landtag, denn auf dem Podium nahmen Anna-Maria Bischof (CDU), Sebastian Durchholz (Grüne), Lisa Freitag (FDP), Elisabeth Kula (Linke) und René Petzold (SPD) Platz, um über Wahlinhalte miteinander zu diskutieren und um sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler zu stellen. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Hannah Kriebel von der Landesschülervertretung (LSV), die diese Aktion an allen Schulen in Hessen anbietet, sofern das gewünscht wird. Eingeladen hatte die LSV dazu natürlich alle Parteien, die eine Chance haben, in den Landtag gewählt zu werden. Fünf junge hessische Politiker fanden dann den Weg in die Schwalm.

Aufmerksam auf das „mal ganz andere Angebot“ wurden die Politiklehrer Florian Wiederhold und Annika Kurz und brachten den Stein vor den Herbstferien ins Rollen. So tauschten die rund 100 Mädchen und Jungen von Jahrgang 8-10 den Klassenraum gegen den Mehrzweckraum. Die jungen Politiker trafen den Nerv der Zuhörer, da sie selbst zum Teil noch ganz nah an ihnen dran waren. So unterschiedlich die politischen Inhalte teilweise waren, zwei Dinge hatten alle gemeinsam. Alle Jungpolitiker starteten ihre Karriere, weil sie Lust hatten, etwas verändern zu wollen. „Was zu tun, statt immer nur zu meckern“, erklärte Lisa Freitag von der FDP. Und alle waren sich in Puncto Populismus einig. René Petzold brachte es auf den Punkt: „Hessen muss bunt und vielfältig bleiben!"

Dann starteten sie in einen politischen Diskurs, der sehr sachlich ablief, aber durchaus streitende Tendenzen aufzeigte. Das machte den Schülern schnell klar, dass es durchaus hitzig wird, wenn kontrovers diskutiert wird und man nicht immer einer Meinung ist. Vor allem die Themen Bildung, Digitalisierung und Chancengleichheit standen auf dem rund 90-minütigen Programm, welches sehr geschickt und souverän von der 17-jährigen Abiturientin Hannah Kriebel gelenkt wurde.

Schulen müssen digitaler ausgestattet werden, so die Forderung der FDP, denn wenn man mit dem Handy privat mobil ist, so müsse das auch in der Schule gehen. Außerdem wäre es wichtig, dass alle Schulen nicht nur modernisiert werden, sondern auch die maroden Bauten saniert werden, so Elisabeth Kula. Vor allem eine Aufwertung von Ausbildungsberufen findet Anna-Maria Bischoff (CDU) sehr wichtig, denn viel zu oft höre man, dass nur ein Abitur gut für die Zukunft sei. Diesem Irrglaube müsse man entgegenwirken. Durchaus gespannt und interessiert verfolgten die Schüler die Diskussion und nicht selten klatschten sie Beifall, wenn ihnen ein Beitrag der Redner gefiel und sie die Ansichten teilten. Aber auch Unruhe kam im Publikum auf, die allerdings regulierte sich schnell von alleine, denn wurde es unruhig, so stellte Hannah Kriebel ihr Reden ein und alle wussten, warum. Warum Bildung Ländersache bleiben sollte, beantworteten die Redner dem Publikum auf eine von dort gestellte Frage. "Förderalismus ist wichtig, damit jedes Bundesland sich selbst regulieren kann. Dennoch müssen Abschlüsse vergleichbar sein," sagte René Petzold von der SPD.

Die letzte halbe Stunde stand ganz im Zeichen des Fragestellens, von denen die Schüler nicht wenig dabei hatten und schnell beteiligten sich mehrere an der Diskussion und bereicherten diese mit ihren Gedanken und Ideen zum Thema Schuluniformen oder der Wehrpflicht. Dennoch wurde am Ende kritisch gefragt, nämlich, wie man den Einzug der AfD in die Politik zu bewerten habe und wie die Einstellung dazu sei. Hier zeigten alle fünf Jungpolitiker Einigkeit. Nämlich, dass es schade sei, dass das populistische Hauptthema der Partei so viele Menschen anspreche - fernab von weiteren konstruktiven Ideen zur vernünftigen Regierung eines Bundeslandes. Einen anderen Blickwinkel warf Anna-Maria Bischof ein, die dazu aufrief, die politische Arbeit der vergangenen Jahre zu reflektieren, die Fehler ernst zu nehmen und verändern zu wollen. Alle Aussagen der jungen Politiker wurden von den Schülern mit Applaus entgegengenommen und so endete die Diskussion in der Schule mit vielen zufriedenen Gesichtern - auf beiden Seiten. Und übrigens, in der Schule im Ostergrund ist am Freitag schon Wahlfreitag. Denn da dürfen alle Schüler von Klasse 7 bis 10 ihr erstes Kreuzchen setzen, bei der Juniorwahl.